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TRADITION: Buntes Bild der Stadtgeschichte

Romantisch und beschwingt: Ketziner feierten am Wochenende wieder ihr Fischerfest

KETZIN/HAVEL - Romantischer hätte das Bild wenige Minuten vor Eröffnung des 21. Ketziner Fischerfestes am Freitagabend kaum sein können. Vor der langsam untergehenden Sonne und begleitet von karibischen Klängen näherte sich, majestätisch auf dem Bug eines Bootes sitzend, Fischerkönigin Carolin Sommerfeldt in ihrem hellblauen Kleid. Fischermeister Lutz Schröder hob sie mit kräftigem Schwung ans Ufer und Bürgermeister Bernd Lück war sichtlich froh, dass das Anlegemanöver bei dem heftigen Wind geklappt hat.

 

Gleich am Sonnabendvormittag stellte die Königin beim traditionellen Fischzug unter Beweis, dass sie nicht nur repräsentieren, sondern auch Glück bringen kann, wie es sich der Fischermeister gewünscht hatte. Gemeinsam legten sie das 440 Meter lange Schleppnetz aus und staunten ebenso wie die vielen hundert Zuschauer, was sich da im Netz mit kräftigem Flossenschlag gegen die bevorstehende Versteigerung wehrte. Doch zunächst gab es vom Bürgermeister eine Flasche hochprozentiges „Fangwasser“.

Früher lief das alles noch etwas anders ab. In den 30er- Jahren des vergangenen Jahrhunderts notierte der Ketziner Chronist Fritz Hummel über die Ausfahrt zum Fischzug: „Auf dem ersten Kahn saßen die Ketziner Stadtmusikanten und bliesen fröhliche Weisen. Auf den beiden nächsten Kähnen, den Großgarnkähnen, folgten die Fischermeister, wohlverproviantiert und mit reichlich ’Fangwasser’ versehen. Der vierte Kahn, der ’Spielkahn’ war für den zu erwartenden Fang bestimmt.“

Nicht sensationelle 60 Kilogramm wie im Vorjahr, aber immerhin sechs Kilogramm brachte der größte Wels am Sonnabend auf die Waage. 10, 12, 15, 17 Euro schnellten die Gebote in die Höhe, bis Auktionator Udo Feist trotz launiger Sprüche der Arm erlahmte. 36 Euro – Zuschlag für Heinz Jentsch aus Schwanebeck bei Belzig. „Das wird ein Festessen zu meinem 80. Geburtstag,“ sagte er. Einen fast fünf Kilogramm schweren Hecht habe er kürzlich selbst geangelt und zwei extragroße Pfannen besitze er auch, verriet der Jubilar.

Gleich auf zwei Bühnen lief am Sonnabend und Sonntag ein jeweils mehr als 15-stündiges Musik- und Showprogramm; und wer sich von all dem Trubel erholen wollte, bummelte über den gemütlich wirkenden Mittelaltermarkt mit Spezialitäten und Gauklern. Alle paar Stunden wurde es allerdings laut – die Männer mussten sich bei martialisch anmutenden Schwertkämpfen abreagieren. Schade, dass an den Nachmittagen die Fahrgastschiffe an der Anlegestelle und die Boote am voll belegten Stadtsteg nur auf wenigen Metern einen freien Blick zur Havel ermöglichten.

Die „Trebelpiraten“ zeigten eine spektakuläre Show auf Wasserski und Wakeboard mit Flaggenparade, gewagten Sprüngen und Pyramide. Zudem bildete sich vor den Räucheröfen eine lange Schlange – Lachsforelle und Aal frisch aus dem Rauch waren beliebte Mitbringsel.

Höhepunkt des Fischerfestes war indes gestern der große Festumzug, den viele Helfer vorbereitet hatten. Er bot ein buntes Bild der Stadtgeschichte seit 1197. Im zweiten Teil war zu erleben, wie es vor 100 Jahren in Ketzin zugegangen sein könnte. Und das hatte seinen Grund, denn das Rathaus, die katholische Kirche und das Museum wurden 1911 eingeweiht. Viel Spaß hatten die Ketziner schon in den Tagen zuvor bei der Anprobe der Garderobe im damaligen Modestil. Alte Gerätschaften von anno dunnemals wurden ebenfalls aufgetrieben. Aber die Ketziner sind ebenso auf ihre Gegenwart stolz. Im dritten Teil zeigten Vereine, Betriebe und Verwaltungen, wie das gesellschaftliche Leben heutzutage abläuft. (Von Wolfgang Balzer)

MAZ vom 22.08.2011




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